Die Geschichte meiner ersten Geburt

Meine Schwangerschaft verlief völlig unbeschwert und friedlich. Durch den HypnoBirthing-Kurs fühlte ich mich gut vorbereitet auf den großen Tag. Ich war schon so neugierig, was mich erwarten würde und freute mich auf ein (wie auch immer sich präsentierendes) großartiges Erlebnis.

Im Vorfeld einigten mein Mann Gottfried und ich uns darauf, unser Kind ambulant zu entbinden. Wir suchten uns eine Hebamme zur Nachbetreuung. Im Vorfeld der Geburt nutzte ich das Angebot des Krankenhaus Kirchdorf zur geburtsvorbereitenden Akkupunktur. Ich besuchte auch einige Male die Schwangerengymnastik, fand das aber nicht besonders hilfreich.

Nun aber zum eigentlichen Geburts-Tag:

Ich hatte schon Mittwoch-Nacht einige Wellen, die aber in den Morgenstunden des Donnerstag abklangen. Den ganzen Donnerstag verbrachte ich sehr zurückgezogen, ich machte einen schönen Spaziergang, ansonsten blieb ich zu Hause, schaltete auch mein Handy ab. Die Räume blieben bei halb heruntergelassenen Rollos eher gedämpft. Ich redete viel mit dem Baby in meinem Bauch, sprach ihm Mut zu, sagte ihm, dass wir auf der anderen Seite auf ihn warten würden und für ihn da sein würden.

Donnerstagabend gegen 21 Uhr setzten dann die Wellen wieder ein. Am Abend kamen sie in einem Abstand von ca. 15 Minuten. Ich atmete mit jeder Welle in der langsamen Atmung. Ich bemerkte auch, dass die Wellen richtig unangenehm werden konnten, wenn ich „falsch“ atmete. Nach Mitternacht war der Abstand auf ca. 5 Minuten geschrumpft. Da machten wir uns auf, ins Krankenhaus zu fahren. Da wir sehr nahe dem Krankenhaus wohnen, konnten wir so lange zuwarten, was mir ein sehr großes Anliegen war. Ich wollte nicht im Krankenhaus lange zuwarten müssen, bis es „so richtig losgeht“.

Kurz vor 2 Uhr morgens waren wir dann im Krankenhaus. Da wir ca. 10 Tage zuvor schon mal da waren, weil ich glaubte, das Kind käme schon, wusste ich, was auf mich zukam, und das ließ mich das alles recht locker erleben. Wir kamen zuerst in einen Aufnahmeraum, dort setzte man mir für einige Zeit den Wehenschreiber an (ca. eine halbe Stunde). Gottfried ging einstweilen die Aufnahme beim Portier regeln. Eine Ärztin stellte alle möglichen Fragen. Soweit es ging, beantwortete Gottfried die Fragen, aber die Hebamme und die Ärztin sprachen mich auch direkt an. Ich konnte trotzdem während der Wellen meine Atmung anwenden – ich schloss dabei einfach die Augen. Ein Zugang wurde gestochen (Ich ließ ihn mir nicht in den Ellenbogen stechen – und das war ganz gut, dort hätte er mich gestört.). Die Hebamme tastete dann den Muttermund ab: 8-9 cm! Ich war richtig überrascht – die Hebamme und die Ärztin ebenso.

Wir hatten ein Schreiben verfasst, das erklärte, wie wir uns auf die Geburt vorbereitet hatten und welche Wünsche wir haben. Dieses Schreiben gab Gottfried den anwesenden Leuten, die das auch wirklich sehr aufmerksam lasen. Die Hebamme, die uns dann betreute, stellte sich wirklich gut auf uns ein, dafür sind wir ihr sehr dankbar.

Unser Wunsch war eine Wassergeburt zu erleben. Also stieg ich in die Badewanne. Bis dahin und auch die ganze Zeit in der Wanne erlebte ich die Wellen als kräftiges Zusammenziehen und – sofern ich gut atmete – als schmerzfrei. In der Geburtswanne konnte ich dann richtig gut entspannen und einen sehr guten tiefen Zustand kommen. Wir konnten die Musik einlegen (Wir hatten die CD mit der Musik ohne die Anleitungen besorgt.). Gottfried zählte das Tiefometer zum Einstieg, und setzte einen Anker. So verging einige Zeit – zwei Stunden, sagte Gottfried mir später, ich hätte die Zeit viel viel kürzer eingeschätzt. Ich atmete mit den Wellen, die Affirmationen und auch manche Passagen aus der Regenbogenentspannung gingen mir immer wieder durch den Kopf, die Hebamme kontrollierte gelegentlich den Wehenschreiber, Gottfried reichte mir immer wieder Wasser zu trinken. Nach einiger Zeit empfahl die Hebamme, die Position in der Wanner zu ändern, und das versuchte ich auch. Ich bemerkte sofort, dass sich durch andere Haltungen mehr Druck aufbaute und die Geburt schneller voranschreiten konnte. Und immer noch tat mir nichts weh, auch wenn es anstrengend war!

Nachdem die Hebamme nach – wie gesagt – etwa zwei Stunden noch mal den Muttermund kontrollierte, stellten wir enttäuscht fest, dass sich nicht wirklich etwas verändert hatte. Die Hebamme empfahl mir, die Wanne zu verlassen, sie würde das Wasser auslassen und lüften, ich sollte einstweilen auf die Toilette gehen. Die Kraft der Wellen war außerhalb des Wassers ungleich stärker. Sitzend auf der Toilette, platze dann auch die Fruchtblase. Zurück im Kreißzimmer ließ ich mir einige Wellen Zeit zu überlegen, wie ich nun weiter gebären wollte. Dabei stand ich am Wannenrand und veratmete dort die Wellen. Sie waren so kräftig, dass ich nicht mehr die langsame Atmung anwenden konnte, sondern mich bemühte, ein langes Ausatmen beizubehalten, das ging auch sehr gut. Das Stehen tat mir gut, und ich spürte, ich wollte kein Wasser mehr. Also gingen wir ins Kreißzimmer nebenan, dort bat mich die Hebamme kurz aufs Bett zu steigen, sie wollte noch mal nach dem Muttermund sehen. Der war mittlerweile vollständig geöffnet. Ich hatte außerdem das Gefühl, das Köpfchen wäre schon tiefer gekommen, und die Wellen waren sehr kräftig geworden. Ich wollte dann nicht mehr aufstehen. Wir stellten das Bett auf eine angenehme, halbsitzende Position.

Von da an brauchte ich viel Hilfe beim Atmen. Gottfried leitete mich geduldig Welle für Welle zum Atmen, zum langsameren Atmen an, und auch zum Entspannen zwischen den Wellen. Ich empfand eine starke Dehnung, ich spürte, wie das Baby alles weitete, ich spürte vor allem einen starken Drang zu pressen. Ohne Gottfrieds Hilfe hätte ich diesen gewaltigen Kräften in mir sicher nachgegeben und gepresst was das Zeug hält. So versuchte ich mich aufs Atmen zu konzentrieren und erinnerte mich an die Affirmationen: „Weiches rosafarbenes Gewebe. Das Baby gleitet sanft durch den Geburtskanal. Ich atme mit den Wellen.“ Irgendwann sagte die Hebamme, man könne das Köpfchen jetzt sehen. Ich konnte es auch berühren, es war ganz weich und glitschig.

Die Hebamme legte warme Kompressen auf den Damm und erklärte mir einige meiner Empfindungen – dass ich da jetzt einen Widerstand spürte, das wäre der Damm und da müsste ich drübergehen. Dass genügend Platz da wäre, das könne sie gut bei jeder Wehe sehen. Die Dehnung des Dammes war dann auch das einzige, das ich als schmerzhaft empfand – für 2 bis 3 Wellen, denn dann kam eine starke Welle, die auch etwas länger dauerte, und das Köpfchen kam durch und mit ihm auch gleich das ganze Baby.  6.02 Uhr am Freitag, den 13. Jänner. Gemäß unserem Wunsch berührte die Hebamme das Baby nicht, sondern blies ihm nur auf die Wange, dass einen Ton von sich gab. Sie ließ mich dann selbst das Würmchen hochheben. Es war ein Bub! Er war so schön.

Nach einer Viertelstunde wurde auch die Plazenta geboren. Ich konnte sie mir ansehen. Dann trennte Gottfried die Nabelschnur unseres Söhnchens (In unserem Schreiben hatten wir darum gebeten, mit dem Durchtrennen zu warten bis die Plazenta geboren war.). Der Arzt, der von mir unbemerkt immer wieder dabei war – besah sich die Plazenta und meinen Damm (der war bis auf eine kleine Schürfung unverletzt geblieben).

Gottfried und die Hebamme maßen und wogen unseren Kleinen dann: 52 cm und 3470 g, 32 cm Kopfumfang.

Alles in allem kann ich sagen, es war ein wunderschönes Erlebnis. Die Geburt war wohl anstrengend, die Wellen heftig und sehr stark. Dank HypnoBirthing aber waren ich und mein Mann sehr gut vorbereitet. Ich wusste, was auf mich zukam und wie ich dem begegnen konnte. Nichtsdestotrotz war ich überrascht von dieser Erfahrung, und davon, dass ich wirklich keine Schmerzen hatte (außer die letzten zwei/drei Wellen, und die waren dann auch schnell vorbei). Laurenz – wie wir unser Zwergerl dann nannten – kam sehr friedlich und sanft zur Welt. Wir sind nicht zuletzt auch ihm dankbar für seine Mitarbeit.

Wichtig für das gute Gelingen war auch unser Schreiben an die MitarbeiterInnen im Krankenhaus. So wussten sie über unsere Wünsche Bescheid und kamen ihnen auch voll und ganz nach. Die wenigen Interventionen, die die Hebamme setzte, waren gut und notwendig und auch immer so formuliert, dass mir die Wahl blieb, ob ich sie umsetzen wollte oder nicht.

Ich möchte allen Frauen Mut machen: Eine Geburt – so sie ruhig und natürlich verläuft und keine besonderen Umstände etwas anderes notwendig machen – ist ein unfassbares Wunder. Das mitzuwirken und miterleben zu dürfen ist ein unglaubliches Geschenk. Lasst euch die Freude daran und darauf nicht von Klischees verderben!

 

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